North Foreland

North Foreland

„White“ Wilkie oder “Wie ein Roman zu seinen Titel kam

Seit 1499 wurde auf den 80 Fuß hohen Klippen bei North Foreland ein Leuchtfeuer für vorbei fahrende Schiffe vorgehalten. Der jetzige Turm stammt aus dem späten 17. Jahrhundert und sein mittlerweile elektrisches Licht ist aus mehr als 20 Meilen Entfernung zu sehen. Und das ist auch gut so, denn die Goodwin Sands, die sich vor der Küste zwischen dem North Foreland  und dem South Foreland bei  Dover befinden, haben schon genug Seefahrern das Leben gekostet.

Aber nicht nur mancher Seefahrer hat verzweifelt auf den Leuchtturm geblickt, in der Hoffnung, dass sein Schiff nicht auf Grund läuft. Auch auf der Landseite saß einst einmal ein verzweifelter Mann und starrte den weißen Leuchtturm an. Dieser Mann war Wilkie Collins, ein Freund von Charles Dickens und Verfasser früher, aber anspruchsvoller Kriminalromane. Sein Werk „The Moonstone“ gilt allgemeinhin als erste Detektivgeschichte in englischer Sprache und ist sicherlich sein bekanntestes Werk, doch gleich dahinter folgt seine „Woman in White“ Und genau um die ging es in seiner Verzweiflung am North Foreland Lighthouse, als er seinem jüngsten Werk noch einen passenden Namen geben musste. Es gereicht einer Frau wohl kaum zur Ehre mit einem Leuchtturm verglichen zu werden, aber genau diese Gedanken schossen Collins durch den Kopf, als er den Leuchtturm sah und ihn plötzlich zu seiner Romanfigur Anne Catherick in Beziehung setzte. „You are as stiff and wierd as my white woman.“ – Ja, “white woman”. Und dann wusste er es. “Woman in White” und nicht anders sollte sein Roman heißen. Mit dem Segen von Charles Dickens war dieser Titel schließlich kreidefelsenfest beschlossen. Wer diese Zeilen in Großbritannien lesen sollte, kann sich gerne im nächsten Secondhand Bookshop auf die Suche nach der „Woman in White“ machen und das Werk mal anlesen…. Wer Geschmack findet, das Werk hat seine Längen, ist aber auch recht spannend und verbraucht einige Stunden, Tage, Wochen…, je nach persönlicher Lese-Geschwindigkeit.

Quellen: “Writers on the Coast”, edited by Eric Bird and Lilian James, The Windrush Press, 1992.

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