Wales

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Prince Madoc zweiter, Columbus dritter

Wer entdeckte Amerika? Offiziell natürlich der Christoph, aus dem Hause Columbus. Okay, wir wissen aber auch gesichert, dass weit vor ihm bereits die Wikinger die neue Welt in Augenschein nahmen.

Wir wissen es, weil Siedlungsspuren gefunden wurden, die nur den Wikingern zuzuordnen waren. Also sollte man eher sagen: Columbus war der erste Mensch, der vom europäischen Festland eine Direktfahrt nach Amerika unternommen hat, während die Wikinger Insel-Hopping betrieben von Skandinavien über Great Britain nach Island und von da nach Grönland, bis tatsächlich Leif Erikson, der Sohn von Erik dem Roten, von dort aus mit seinen Mannen 1000 in Nordamerika an Land ging. Dies immerhin 492 Jahre vor Columbus. Wollen wir korrekt sein, muss noch angemerkt werden, dass Leif der erste Wikinger war, der einen Landgang unternahm. Gefunden wurde das Land schon 986 von Bjarni Herjulfsson, der aber, warum auch immer, keinen Landgang befahl. Von ihm wusste jedenfalls Leif von diesem Land, was er dann erkunden wollte.

Er taufte das Stück Land, das er betrat, „Vinland“, wahrscheinlich meinte er damit Weideland. Schnell fiel der Entschluss, dort siedeln zu wollen. Allerdings gehörte das „Vinland“ schon wem. Und die wollten es nicht abgeben. Leif sah das Land offensichlich kein zweites Mal in seinem Leben. Nach seiner Rückkehr nach Grönland wurde er als Anführer gebraucht, weil sein Vater gestorben war. Also oblag es seinem Bruder Thorwald, „Vinland“ in Besitz zu nehmen. Aber es gab erheblichen Widerstand von den „Skrälingern“. So nannten die Wikinger die Menschen, die sie dort vorfanden. Ein Skrälinger war in der Sprache der Wikinger ein Schwächling. Doch waren die Schwächlinge offenbar in einer erdrückenden Überzahl. Jedenfalls klappte diese Landnahme nicht auf Dauer und wurde wieder aufgegeben.  Die Indianer, ob nun im Einzelnen schwach oder stark, hatten die Eindringlinge erfolgreich abgewehrt. Hatten sie aber dann auch wirklich Ruhe bis 1492? Oder kamen da doch noch mal Europäer, die es aber besser als die Wikinger verstanden, über friedliche Methoden mit den Ureinwohnern zu verschmelzen?

Die Rede ist vom walisischen „Prince Madoc“. Der soll um 1170 zusammen mit seinem Bruder Rhirid eine erfolgreiche Fahrt nach Amerika angetreten haben. Madoc soll ein unehelicher Sohn des großen Owein Gwynedd gewesen sein, der sich Zeit seines Lebens darum bemühte, Henry II und seine Engländer aus Wales herauszuhalten. Nun, als dieser walisische Fürst starb, soll es zwischen seinen zahlreichen Kindern zu einem Machtgerangel gekommen sein, das nicht unblutig blieb. Madoc verspürte gar keine Lust auf Kampf um die Macht. Er hielt sich lieber heraus. Doch um ganz sicher zu sein, nicht doch als potentielle Gefahr gelyncht zu werden, rüstetet er ein Schiff aus und segelte einfach mal westwärts seinem Schicksal entgegen. Das muss es sehr gut mit ihm gemeint haben. Er soll sogar nochmal nach Wales zurückgekommen sein, nur um noch einmal eine Ladung voll Menschen mitzunehmen in ein neues friedliches Land: Amerika.

Hmmm. Mit dieser Story erhoben erstmals im 16. Jahrhundert nicht die Waliser, sondern die Engländer den Anspruch auf das neu entdeckte Land. Belege, dass Waliser den Weg nach Amerika gefunden hatten und sich mit Einheimischen mischten, gibt es keine.  Wie auch? Wenn alles friedlich ablief und die Waliser höchsten zwei Schiffsladungen an Material herüberbrachten, dürfte sich kaum noch etwas finden lassen, was den Walisern zuzuordnen wäre. Obwohl,… ja, die Geschichte wurde noch einmal dadurch befeuert, dass behauptet wurde, dass die Sprache der Einheimischen dem Walisischen sehr ähnlich sei und es da durchaus Berührungspunkte gegeben haben müsse.

Ach, das ist doch wieder eine so schöne Geschichte, die absolut sein kann, weil sie so grandios einfach gestrickt ist und deshalb auch nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann. Und ganz ehrlich jetzt: Wenn sie nur erfunden worden wäre, um englische Ansprung geltend zu machen, dann hätten doch die Engländer, stolz wie sie nun mal auf ihre Nation sind, keinen Waliser zum Amerika-Fahrer gemacht, sondern natürlich einen waschechten Engländer zum Helden auserkoren, oder? So klingt das schon ein bisschen so als ob, sagen wir einfach mal, ein Italiener unter stolzer spanischer Flagge das Land entdeckt hätte. Wie bescheuert wäre das denn?

Quellen:

Phil Carradice: „Snapshots of Welsh History…without the boring bits, 2011

Internet:

Wikipedia

www.kinderzeitmaschine.de

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