Wiltshire

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Ein weißes Pferd zu Ehren Alfred des Großen?

Mythen, Geheimnisse, Unerklärbares – solche Sachen zieht immer wieder an. Erst recht, wenn Dinge tatsächlich existieren und keiner weiß, woher sie kommen, wer sie gemacht hat, was es damit auf sich hat. Weiße Pferde gehören in England zu dieser Gruppe. Nicht nur die aus den himmelvielen Geistergeschichten, sondern die, die in Hügel gescharrt wurden. Insgesamt gibt es elf heute noch sichtbare Pferde, eines gar mit einem Reiter. Jedes einzelne Pferd hat natürlich seine Geschichte. Letztendlich weiß man aber nur von einem, dass es ziemlich alt sein muss, das Uffington White Horse. 

Das Westbury White Horse ist mittlerweile auch schon als „etwas älter“ zu bezeichnen. Es stammt aus dem Jahr 1778 und ist somit schon mal das älteste weiße Pferd der Grafschaft Wiltshire. Dass es 1778 entstand, hat wohl etwas mit der frühen englischen Geschichte zu tun, denn dieses Datum verweist auf ein Ereignis, dass exakt 900 Jahre zuvor in der Nähe stattgefunden hat. Eine große und erfolgreiche Schlacht von König Alfred gegen die dänischen Invasoren, bekannt unter der Bezeichnung „Battle of Ethandune“. Jetzt der schmerzlichere Teil für jeden Archäologen und Geschichtsfreund: Es steht sehr zu befürchten, dass die Menschen 1778 den Hügel nicht zufällig aussuchten und auch nicht zufällig ein Kreide-Pferd, sondern dass sie auf ein bereits vorhandenes Pferd ein neues setzten. Dafür spricht eine Skizze, die 1760 entstand und ein kleineres Pferd am Hang zeigt, das zudem in die andere Richtung schaut. Na ja, sagen wir lieber dazu mal „undefinierbares Tier“. Die Skizze sieht eher einem Reptil ähnlich, zumal der Schwanz lang, dünn und nach oben gerollt erscheint mit einer Drachenzunge als Ende und wirklich nicht im Entferntesten an ein Pferd erinnert. Diese Kreatur könnte aber auch zu Alfreds Lebzeiten entstanden sein als weit sichtbare Erinnerung an den oben erwähnten Sieg.

Nichts Genaues weiß man nicht, wie es so schön heißt. Es kann durchaus auch sein, dass die erste Kreidefigur an diesem Hang 1678 entstand, um an Alfreds Sieg zu erinnern. Wie dem auch sei, auch ein Pferd „made in 1778″ ist mittlerweile eine historische Attraktion. Nach einer Generalüberholung strahlt das 55,5 Meter lange und 33 Meter hohe Pferd bei einer Neigung bis zu 45 Grad im schönsten Weiß vom Hügel kilometerweit in die vor ihm liegende Ebene. Und natürlich lockt es Besucher an. Die kommen nicht mit Heu und Äpfeln, in jüngster Zeit eher mit Drohnen für spektakuläre Filmaufnahmen oder gar mit einem Gleitschirm für einen Flug ins Tal. Andere kommen, um von oberhalb des Pferdes einen malerischen Sonnenuntergang zu sehen.

Ja, die Welt kann so friedlich sein, auch an einem Ort, der einst strategische Bedeutung hatte und um den hart gerungen wurde. Wer sich nämlich die Landschaft oberhalb des Pferdes näher anschaut, wird unweigerlich erkennen, dass dort Menschen eine Befestigungsanlage gebaut hatten. Und das nicht zu Alfreds Zeiten, sondern schon zur Eisenzeit. Anders als hierzulande, wo „Geschichte“, die im Feld liegt, gegen Vandalismus mit kostspieligen Umbauten geschützt werden muss, machen sich die Briten weniger Sorgen, dass mit ihren Pferden oder anderen Monumenten Schindluder betrieben wird. Wenn dann doch mal was passiert, dann sind es eher humorvolle Aktionen, die keinen Schaden hinterlassen. So wurde das Westbury-Pferd 2018 mittels roter Plastikschleifen zur Nationalfahne umfunktioniert, um die jüngsten Erfolge des „Three Lions-Teams“ bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland zu feiern. Das war natürlich den Zeitungen ein großer Bericht in Wort und vor allem Bild wert. Die Organisation „English Heritage“ fand es weniger lustig und bestand auf eine schnelle Entfernung des Bandes. Mag auch zu verstehen sein, denn wenn so etwas mal einreißt, kann es dann doch sehr schnell zu unliebsamen Nebenwirkungen kommen.

Weil der Kopf des Pferdes praktisch auf Höhe des Spazierweges endet, kommen schon jetzt einfach zu viele Besucher auf die Idee auf dem Pferd herumlaufen zu müssen und das Auge zu berühren, und so sind die Pferdeohren als Zugang schon ganz breitgelaufen und als solche eigentlich nicht mehr zu erkennen.

Das Foto stammt aus den frühen 90er Jahren, also aus der Zeit vor der Ertüchtigung.

Quellen:

Kate Bergamar: “Discovewring Hill Figures”4. Auflage 1997

BBC Country File, Ausgabe July 2011: Dave Perrett: Who carved the chalk figures?

Internet:

Wikipedia,

English Heritage

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