Plötzlich Hexe

Plötzlich Hexe

Die drei Frauen Susannah Edwards, Mary Trembles und Temperance Lloyd gingen unfreiwillig in die Geschichte Englands, Devons, Bidefords ein. Sie sind die drei letzten Frauen, die in England als Hexen hingerichtet wurden. Das passierte 1682 – 121 Jahre nach der Verabschiedung der Hexerei-Verordnung in England, die „Tod durch Hexerei“ als schweres Verbrechen definierte, das mit dem Tode bestraft werden konnte.

Der Tod der drei Frauen in Devon lässt die Menschheit aber noch lange nicht aus dem Albtraum Hexenverfolgung aufwachen. Zehn Jahre später, also 1692, sollte es erst noch den berühmtesten Hexenprozess geben, bei dem nicht weniger als 200 Menschen innerhalb eines Jahres wegen Hexerei angeklagt wurden. 20 von ihnen wurden verurteilt und hingerichtet, nach durch Folter erzwungenen Geständnissen. Das war in der neuen Welt. In Salem, Massachusetts, auch Neuengland genannt.

In „Altengland“ waren die Menschen da schon etwas weiter, Verstand walten zu lassen und Vernunft anzunehmen. Aber erst 1735 wurde der wichtige „Witchcraft Act” erlassen, der Hexerei nicht mehr als Straftat ansah. Trotzdem wurden weiterhin Menschen, insbesondere Frauen beschuldigt, Hexen zu sein. 1852 wurde in Devon Susannah Sellick von mehreren Menschen als Hexe bezeichnet. Sie wehrte sich dagegen mit Erfolg vor Gericht. Die „Ankläger“ mussten sogar ein Bußgeld wegen falscher Anschuldigung zahlen.

Die oben genannten drei Frauen lebten bis zu ihrer Anklage jeweils ein Leben, das für die Nachwelt keine nennenswerten Spuren hinterlassen hätte. Sie wären irgendwann gestorben, begraben und dann auch vergessen worden wie die meisten Menschen. Doch ihre Namen bekamen einen Platz in der Geschichte, weil sie nun mal als die letzten drei Frauen gelten, die in England wegen Hexerei hingerichtet wurden. Susannah Edwards und Mary Trembles wurden zusammen angeklagt, Temperance Llyod separat. Es war Zufall, dass beide Prozesse 1682 in Bideford stattfanden.

Die Quellen legen dar, dass Temperance Llyod sich als eine Frau ansah, die mit einem Schwarzen Mann, dem Teufel, im Bunde war. Vielleicht wurde ihr das auch nur zum Nachsprechen vorgesprochen. Sie wird einmal als senile alte Frau beschrieben. Vielleicht gefiel es ihr aber auch, einmal Aufmerksamkeit geschenkt zu bekommen. Im Mittelpunkt zu stehen. Ihre Geständnisse gehen weit über die Anschuldigungen hinaus. Sie selbst soll zugegeben haben, in der Gestalt einer Katze in Häuser eingedrungen zu sein, um anderen Menschen Krankheiten und Qualen zu bringen. Vielleicht war sie aber auch nur eine verwirrte alte Frau, die zwischen Wahrheit und Schein nicht mehr zu unterscheiden vermochte.

Feiste Lügen, abgepresste Geständnisse

Susannah Edwards könnte an Parkinson gelitten haben. Jedenfalls fiel einem Mann ihr zittrige Hand auf und behauptete einfach mal, dass sie gerade dabei sei, mit ihrem Zittern irgendeinem Menschen innere körperliche Qualen zu bescheren. Als Verteidigung kam von ihr offensichtlich nicht viel, wie auch nicht von Mary Trembles, die offenbar nur mit ihr zusammen gebettelt hatte. Es darf angenommen werden, dass alle drei Frauen keine großartige Bildung besaßen, alt krank und/ oder verwirrt waren. Leichte Opfer für hysterische Menschen, die sich Vorgänge und Ereignisse nicht anders erklären konnten, als dass Hexerei im Spiel gewesen sein musste. Menschen, die nicht davor zurückschreckten, Dinge passend zu erfinden und durch Schauspielerei in Szene zu setzen.

Über ihr Leben bis zu den Tagen der Anklage ist so gut wie nichts bekannt. Temperance Lloyd geriet einige Jahre vorher schon einmal in den Verdacht, Hexerei zu betreiben, doch wurde sie freigesprochen. Dass die Namen der drei letzten verurteilten Frauen der Nachwelt erhalten geblieben sind, ist einem Mann names John Watkins zu verdanken, der als „local historian“ 1792 „The story of the trial“ im „Book of Bideford“ beschrieb. 110 Jahre später waren die Menschen also weiter. Watkins legte nahe, dass die drei Frauen Opfer einer ignoranten Gesellschaft wurden, die sich schwache, alte, arme und kranke Menschen herauspickt, um ihnen die Schuld an ihrem eigenen Unvermögen geben zu können. Das alles ging so hervorragend, weil man ihnen einfach mehr Glauben schenkte und so feiste Lügen als Wahrheit angenommen wurden, die oftmals ein Todesurteil nach sich zogen. Die Wiedergabe eines vagen Gerüchts reichte schon aus, um es zu einem unumstößlichen Beweis zu machen.

PS: Auch wenn wir gerne Schottland, England, Frankreich und Spanien mit dem Hexenwahn in Europa in Verbindung bringen, kamen in den vier genannten Ländern während der Hexenverfolgung doch „nur“ 3100 Frauen ums Leben. Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation dagegen, also „so direkt bei uns“, waren es tatsächlich zwischen 25 000 und 30 000 tote „Hexen“, denen oftmals zuvor über menschenverachtende Foltermethoden angebliche Geständnisse abgepresst worden waren. Was für ein unglaublicher Wahnsinn.

Foto: Götz Schaub-Schöne

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