Deal

Deal

Ein Held zur See, ein Flegel zu Land
und ein Freund über den Tod hinaus


Es bedarf schon einer großen Portion Impertinenz, die Einwohner von Deal in Aufregung zu versetzen. Dieses Kunststück vollbrachte einer der ganz großen Helden der englischen Geschichte, ein einäugiger, einarmiger Seemann. Nein, nicht John Long Silver. Das war der mit dem Holzbein und dem Piratenschatz – nein, hier ist die Rede von keinem Geringeren als Admiral Horatio Nelson. Dieser vom Krieg gezeichnete Gentleman besaß 1801 die Stirn, sich als verheirateter Mann ganz ungeniert mit seiner Geliebten, der wohl unwiderstehlichen Lady Emma Hamilton, in der Öffentlichkeit zu zeigen. Dieses flegelhafte Benehmen hinderte Nelson jedoch nicht daran, als militärische Führungspersönlichkeit wieder die Rolle des Vorbilds einzunehmen und an Gottesdiensten in der St George’s Church teilzunehmen, um den Sieg über Napoleon herbeizubeten. Nelson hatte viele Gesichter und doch ganz feste Prinzipien, wenn es darum ging, für England einzustehen. Nach Nelsons “Death in Action” auf der weltberühmten “Victory” am Nachmittag des 20. Oktobers 1805 bekam Lady Hamilton die ganze Kälte der englischen Obrigkeit zu spüren. Während ihr Geliebter ruhmreich Gott anbefohlen wurde, blieb sie als „low born girl“ außen vor.
In Deal verschied übrigens ein Kriegskamerad und Freund von Nelson: Captain Edward Parker, der sich bei einem Überfall auf die französische Flotte bei Boulogne eine schwerwiegende Verletzung am Bein zugezogen hatte. Das war am 15. August 1801. Gepflegt wurde er in seiner Unterkunft in der Middle Street. Dort besuchten ihn Nelson und Emma Hamilton so oft sie nur konnten. Obwohl es um Parker schlecht stand, hielt er noch lange durch, so dass sich gar die Hoffnung mehrte, dass er es schaffen könnte. Doch am 27. September starb er schließlich an den Folgen der Verwundung. Er wurde nur 23 Jahre alt. Wäre er bei Trafalgar noch dabei gewesen, er hätte sicher auch Geschichte geschrieben und sein Name würde heute in einem Atemzug mit Nelsons‘ genannt. So aber starb er, bevor seine Karriere richtig beginnen konnte. Nelson wusste genau, was er an dem jungen Mann hatte und organisierte nicht nur dessen Beerdigung mit allen militärischen Ehren. Er ließ für ihn auf eigene Kosten auch ein Grabmal auf dem Friedhof von St George’s errichten. Das war er seinem „gallant good friend and able assistant“ in aller Freundschaft schuldig. Das Grabmal wurde 1999 saniert und ist noch heute auf dem Friedhof an der Kirche zu finden. Vielleicht fühlte sich Nelson auch ein Stück weit verantwortlich für den Tod seines jungen Freundes. Der Überfall auf die französische Flotte in Boulogne ging nämlich nicht als Husarenstück Nelsons in die Geschichte ein. Im Gegenteil, die Aktion, ein paar Schiffe durch das Lösen von Tauen zu versenken, misslang, weil die Franzosen sich nicht überraschen ließen. Mit großen eigenen Verlusten trat Nelson damals noch auf der HMS Medussa schließlich wieder die Heimreise an.

Quellen: home.freeuk.net/eastkent/deal/nelson.htm

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